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Creature with the Atom Brain (1955)

August 7, 2011

Wenn fiese Gangster mit (verrückten) Wissenschaftlern kollaborieren und  Filmtitel mit Worten wie „Creature“, „Atom“ oder „Brain“ ausgeschmückt werden, dann darf man sich sicher sein, in der wilden Welt der B-Movies angelangt zu sein. Hier setzen nur die Budgets Grenzen für die Fantasie und so entstanden auch in den B-Movie-Abteilungen der großen US-Studios die aberwitzigsten Genremischmaschs, die zwar nie in die Annalen der Filmgeschichte eingegangen sind aber eine stetige Einnahmequelle für die Majors darstellten. Creature with the Atom Brain (1955) ist einer jener Filme, der er aber scheinbar offiziell nie über den großen Teich nach Deutschland geschafft hat – Schade eigentlich.

Entstanden ist er bei Sam Katzmans Clover Productions, die sich für solche Genregranaten wie z.B.  The Giant Claw (1957) verantwortlich zeichnen und entstammt der Feder Curt Siodmaks, der als Regisseur nicht nur an Menschen am Sonntag (1930) beteiligt war, sondern auch das Drehbuch zu The Wolf Man (1941) oder I Walked with a Zombie (1943) schrieb. Mit Edward L. Cahn stand dann auch noch ein erfahrener Regisseur hinter der Kamera, der es in seiner knapp dreißigjährigen Karriere zu 125 Regiecredits geschafft hat – in den B-Abteilungen war man eben fleißig – sodass alles in allem eine nicht untalentierte Truppe am Start war und das merkt man dem Film auch an, der als Genrehybrid aus Gangster-, Horror-, und Sci/Fi-Film eine unterhaltsame Figur abgibt.

Nachdem der fiese Gangster Frank Buchanan (Michael Granger) aus dem Land geworfen wurde, werden nun Jahre später plötzlich all jene Leute umgebracht, die an dem Prozess gegen ihn beteiligt waren. Soweit so gut, doch das Entscheidende an den Taten ist, dass sie nicht von normalen Menschen ausgeführt werden, finden die Ermittler, allen voran der Pre-CSIler Dr. Chet Walker (Richard Denning) beunruhigende Beweise: Das vermeintliche Blut der Mörder leuchtet und schnell stellt sich heraus, dass es radioaktiv ist und noch dazu scheinen die Vollstrecker Buchanans über übermenschliche Kräfte zu verfügen und können auch von Kugeln nicht gestoppt werden. Während der Ermittlungen stellt sich dann nicht nur heraus, dass Buchanan hinter der Sache stecken muss, sondern auch, dass es sich bei den Meuchelmördern um „ferngesteuerte Zombies“ handelt Tote, die mittels radioaktiver Impulse und eingesetzter Elektronen im Gehirn zu pefekten, steuerbaren Mordmaschinen werden. Schöpfer dieser Kreaturen ist nicht etwa Dr. Frankenstein, sondern der Nazi – wird nicht explizit erwähnt aber wir gehen einfach mal davon aus und es klingt auch viel besser – Wissenschaftler Dr. Steigg aus Deutschland. Um diese Kreaturen zu stoppen, muss jedoch erst einmal das Labor gefunden werden, was sich als gar nicht so leicht herausstellt…

„Nazis“, Zombies, radioaktive Strahlen, Gangster – Herz, was willst du mehr? Natürlich ist die Story totaler Humbug aber das ändert nichts daran, dass der Film aufgrund seiner kruden Mixtur über weite Strecken unterhaltsam ist, was und das ist in meinen Augen das Schöne vieler B-Produktionen, auch daran liegt, dass Creature with the Atom Brain flott und kompakt erzählt ist. Da jeder Meter Film bares Geld kostet, verzichtet man auf unnütze Nebenplots und konzentriert sich auf das Wesentliche – unsere Atomgehirnkreaturen und den fiesen Buchanan. Gut, ganz ohne Nebenkriegsschauplätze geht es auch nicht aber selbst die Szenen mit Chets Tochter Penny und seiner Frau Joyce (Angela Stevens) sind gut in die Geschichte eingebettet und wirken daher nicht als Fremdkörper und bringen sogar ganz amüsante Momente hervor. Letzteres ist in meinen Augen übrigens ein Merkmal, das man bei Filmen aus jener Zeit genreübergreifend finden kann, dass die Drehbücher selbst bei den größten Schnarchtabletten noch immer gute Dialoge oder nette Gags liefern, die selbst die ganz miesen Beiträge noch halbwegs erträglich machen.

Aber zurück zu den Atomgehirnen. Durchaus ambitioniert, wenn man das bei einem B-Film überhaupt in den Mund nehmen kann, ist die Inszinierung, streut L. Cahn doch auch immer wieder POVs der „Zombies“ ein, die durchaus atmosphärisch wirken und auch die „Fernsehbilder“, die Buchanan und Steigg von ihren Geschöpfen übermittelt bekommen – wie das nun wieder geht, dazu müsste ich auch ausschweifen und so ganz erklärt wird es im Film eh nicht – sind ein gut integriertes Feature. Ein wenig fehlplatziert ist übrigens nur die Anschlagscollage ungefähr zur Hälfte des Films, die dramaturgisch und technisch etwas daneben wirkt aber das gehört ja auch irgendwie zu einem ordentlichen B-Film und macht ihn auch gleich ne Ecke sympathischer.

Was bleibt abschließend zu sagen? Natürlich ist Creature with the Atom Brain keine große Filmkunst aber wer erwartet das denn schon von so einem Film? Dafür erfüllt er aber seinen Zweck  sehr gut und bietet auf 70 Minuten Spielzeit kurzweilige Unterhaltung für jene Zuschauer, die auch diese Art Hollywoodfilm zu schätzen und zu genießen wissen. Wer den Film übrigens sein Eigen nennen möchte, der muss/kann in den USA zuschlagen. Dort hat Sony das Icons of Horror: Sam Katzman-Set veröffentlicht, das neben den Atomgehirnen noch drei weitere B-Schmankerl in toller Qualität enthält.

Reporter: Doctor, how did anybody break through those bars in there?
Dr. Chet Walker: Maybe he ate all his vitamins.

Originaltitel: Creature with the Atom Brain; Deutscher Titel: -; Produktionsjahr: 1955; Produktionsland: USA; US-Kinostart: xx.07.1955; Deut.-Kinostart: -; Regisseur: Edward L. Cahn ; Cast: Richard Denning, Angela Stevens, S. John Launer, Michael Granger, Gregory Gaye; Veröffentlichungen: DVD Sony (USA)

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2 Kommentare leave one →
  1. August 14, 2011 2:27 am

    Der Witz ist ja, daß mein Katzman Set 1 oder 2 Tage vor deinem Posting ankam. Ich hab mich so lange um die Kosten gedrückt, aber nun mußte es einfach sein. Jetzt muß ich es nur noch irgendwie ins Programm quetschen. Grr.

    • August 14, 2011 2:43 pm

      2 Filme aus dem Set, also Disc 2, sind noch ungesehen aber die Filme kann ich nur in homöopathischen Dosen schauen. 😀
      Aber prinzipiell ist es ein tolles Set, mit einigen netten Extras.

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