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20.000 Jahre in Sing Sing (1932)

August 28, 2011

Neben Alcatraz gehört Sing Sing sicherlich zu den bekanntesten Gefängnissen in den USA und war aufgrund seines Rufes mindestens genauso gefürchtet wie die Gefängnisinsel vor San Francisco. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass jene „Besserungsanstalt“ auch in den Unterhaltungsmedien als Kulisse herhalten musste. In Michael Curtizs 20,000 Years in Sing Sing (1932) sogar direkt im Gefängnis, was daran lag, dass Lewis E. Lawes, der die Vorlage für die Geschichte lieferte, zum Zeitpunkt des Drehs noch Gefängnisdirektor von Sing Sing war.

In den 30er Jahren waren Gangster- und Gefängnisdramen, wie z.B. The Big House (1930) oder I Am a Fugitive from a Chain Gang (1932) äußerst populär und erfolgreich und auch Curtizs 20,000 Years in Sing Sing erweist sich als durchaus interessanter Genrebeitrag, was unter anderem auch daran liegt, dass es sich hierbei um die einzige Zusammenarbeit von Spencer Tracy, der für diesen Film von Fox ausgeliehen wurde, da James Cagney, für den eigentlich die Rolle gedacht war, mit Warner in einem Vertragsstreit lag und Bette Davis handelt.

Tracy spielt den Gangster Tom Connors, eine Rolle, die auf den ersten Blick durchaus ungewöhnlich für ihn zu sein scheint, während seiner frühen Karrierezeit aber gar nicht so unüblich war, der nach Sing Sing überstellt wird. Anfangs denkt Connors noch, dass die Zeit im Gefängnis ein Kinderspiel für ihn zu werden scheint, hat er doch einflussreiche Freunde, die auch ein paar Dollar springen lassen, um den Aufenthalt Connors zu versüßen. Die Rechnung wurde jedoch ohne den Gefängnisdirektor Paul Long (Arthur Byron) gemacht, denn für ihn sind alle Insassen gleich und niemand wird bevorzugt behandelt und so schlägt er die Bestechungsgelder aus. So merkt auch der vorlaute Connors schnell, dass ihm keine Extrabehandlung widerfährt und dass man sich Belohnungen nur durch gutes Verhalten erarbeiten kann. Es dauert einige Monate, bis er diesen Fakt zu akzeptieren scheint und die Liebe zu seiner Freundin Fay (Bette Davis) hilft ihm dabei und doch plant er mit einigen Mithäftlingen eine tollkühne Flucht, schreckt aber im letzten Moment zurück. Auch sein Verhältnis zu Paul Long bessert sich, wird aber auf eine harte Probe gestellt, als Fay schwer verletzt wird und Long ihm einen Tag Ausgang spendiert, Connors aber versprechen muss, am nächsten Tag zurückzukehren und es zu einem Zusammenstoß mit Joe Finn, einem alten Kumpanen kommt, der an Fays Gesundheitszustand nicht ganz unschuldig zu sein scheint…

Der Film mag zu Beginn ein wenig befremdlich wirken, was auf der einen Seite an Tracys Gangsterrolle liegt, die er aber fast schon divenhaft, was vielleicht auch nicht ganz das korrekte Adjektiv ist,  verkörpert und auf der anderen Seite anhand der Inszenierung in den 30er Jahren mit Dialogen wie aus dem Maschinengewehr, primär in der Anfangsszene im Zug und man braucht ein paar Minuten, um sich zu akklimatisieren. Ist man dann jedoch erst einmal angekommen, spürt man die Authentizität des Geschehens und der Dreh vor Ort war hier wirklich ein Vorteil, der die Atmosphäre des Films positiv beeinflusst und so kann man sich mit Connors identifizieren und auch der langsame Wandel ist nachvollziehbar inszeniert. Ein wenig holprig wird der Film, je näher man dem Finale kommt, denn die Story rund um Fays Unfall und die Verstrickungen Joe Finns werden nie ganz klar und das Drehbuch schweigt sich darüber einfach aus und auch die Tatsache, dass ein Gefängnisdirektor einen Insassen, der für bis zu 30 Jahre ins Gefängnis gesteckt wurde, gegen ein Ehrenwort einfach so für einen Tag auf freien Fuß setzt, mag ein wenig weiter hergeholt sein. Andererseits war Lawes selbst Direktor von Sing Sing. Vielleicht ist da doch etwas dran?

Faszinierend fand ich indes die Wendungen zum Finale hin, die Tracys Connors als tragischen Helden griechischer Ausmaße manifestieren und dass der Film dann so endet, damit habe ich nicht ganz gerechnet, hat mich aber positiv überrascht. Etwas zwiegespalten bin ich noch hinsichtlich Spencer Tracys Darbietung, die mir zu Beginn zu oberflächlich und künstlich wirkt und erst mit fortschreitender Filmdauer natürlicher und definitiv auch besser wirkt. Die weiteren Schauspieler sind eigentlich fast nicht der Rede wert, auch wenn Bette Davis auftaucht aber sie muss auch nicht wesentlich mehr tun, als attraktiv auszusehen und das gelingt ihr auf voller Linie – ein heißer Feger in den 30ern war sie ja. Arthur Byron, der den Direktor spielt, macht seine Sache auch ganz ordentlich und passt durchaus in die Rolle des fast schon väterlichen Anstaltsleiters – gibt es solche Gefängnisdirektoren überhaupt?

Wie dem auch sei, hat uns Michael „Casablanca“ Curtiz mit 20,000 Years in Sing Sing einen interessanten Genrebeitrag hinterlassen, der von der Geschichte und Inszenierung her sicherlich nicht perfekt ist, es sich aber trotzdem lohnt, ihn wiederzuentdecken. Letzteres ist gar nicht so einfach, muss man doch in Deutschland auf eine TV-Ausstrahlung durch die Öffentlich Rechtlichen warten oder greift auf die US DVD aus Warners Archive Collection zurück, die eine maximal befriedigende Bildqualität hat und vor allem mit dem Ton ein paar Problemchen hat, sodass es schade ist, dass die MOD-Discs komplett ohne Untertitel auskommen.

Come on and I’ll show ya how tough I am.

Originaltitel: 20,000 Years in Sing Sing; Deutscher Titel: 20.000 Jahre in Sing Sing ; Produktionsjahr: 1932; Produktionsland: USA; US-Kinostart: 24.12.1932; Deut.-Kinostart: 17.04.1972 (TV, ZDF); Regisseur: Michael Curtiz ; Cast: Spencer Tracy, Bette Davis, Arthur Byron; Veröffentlichungen: DVD Warner Archive (MOD, USA)

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