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Cimarron (1960)

September 10, 2012

Bevor Anthony Mann  Anfang/Mitte der 60iger-Jahre für Samuel Bronston die epischen Monumentalschinken El Cid (1961) und Der Untergang des römischen Reiches (1964) auf die Leinwand bannte, drehte er für MGM seinen letzten Western der Karriere: Cimarron (1960) mit der gebürtigen Österreicherin Maria Schell und Glenn Ford in den Hauptrollen.

Der Film ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Edna Ferber, der 1931 schon einmal eine prominente Verfilmung durch RKO und unter der Regie von Wesley Ruggles erfuhr, dessen Pioniere des wilden Westens mehrfach oscarprämiert wurde.

Die Geschichte hat dabei den sogenannten Land Rush und die Besiedlung Oklahomas im Mittelpunkt, wobei die Geschehnisse über einen Zeitraum von gut 25 Jahren anhand der Familie Cravat erzählt wird. Nach ihrer Hochzeit machen sich Yancey (Glenn Ford) und Sabra (Maria Schell) gen Westen auf, um in Oklahoma ein gemeinsames Leben als Farmer zu beginnen. Diese Pläne werden durchkreuzt, als sie beim Land Rush, dem Rennen um das frei zu verteilende Land, leer ausgehen und ein alter Freund von Yancey ums Leben kommt, der als Zeitungsverleger arbeitete. Ihm zu Ehren lassen sich die Cravats in der neugegründeten Stadt Osage nieder und führen seine Zeitung weiter. Über die Jahre muss die Familie immer wieder gegen Widrigkeiten kämpfen, sie bekommen einen Sohn und erleben mit, wie Öl gefunden wird und alte Freunde zu neuem Reichtum gelangen und ihre neugewonnene Macht missbrauchen, doch am meisten müssen Yancey und Sabra miteinander kämpfen.

Man kann MGM bei diesem Film sicherlich kein fehlendes Engagement vorwerfen, denn das investierte Budget spiegelt sich deutlich in den farbintensiven CinemaScope-Bildern wider und doch ist es einmal mehr ein Film, der beweist, dass ein hohes Budget noch lange kein Garant für einen guten Film ist. Der fast zweieinhalbstündige Film kämpft dabei vor allem mit den offensichtlichen Schwächen des Drehbuchs, das im Vergleich zur Vorlage einige Änderungen eingebaut hat, die Stellung der Indianer verbesserte und so auch den Einfluss der Civil Rights-Bewegung abbildete. Wobei dies auch nicht den kritischen Part darstellt. Vor allem hakt es daran, dass der Film im Grunde ein opulent verpacktes Familiendrama ist, das mit vielen melodramen Szenen aufwartet, die hart ins Kitschige abdriften und Cimarron deshalb auch durchaus zu Recht als Seifenoper tituliert wird. Die Besiedelung des Westens mit all ihren Komplikationen und Einschnitten für die Beteiligten kommt dabei gar nicht so richtig zur Geltung, viel zu sehr stehen dabei nur die Probleme der Cravats im Vordergrund.

Des Weiteren ist das Verhalten der beiden Protagonisten schwer nachvollziehbar. Auf der einen Seite der extrem wankelmütige Part des Yancey, der zu Beginn des Filmes voller Inbrunst von seinem Traum des Farmerdaseins schwärmt, diese Idee aber bei dem geringsten Widerstand verwirft und auf der anderen Seite die ins Hysterische abdriftende Sabra. Auch Glen Ford und Maria Schell erscheinen nicht als die Idealbesetzung, wobei es vor allem Maria Schell ist, die mit ihrer Rolle überfordert ist, während Glen Ford recht unbeeindruckt wirkt und im letzten Drittel des Films nur noch sporadisch auftaucht. Die Lücke, die dadurch hinterlassen wird, kann von Schell, deren Sabra die eigentliche Heldin der Geschichte ist, nicht ausgefüllt werden.

Abwechslung von all dem Herzschmerz gibt es nur selten. Im Gedächtnis bleibt vor allem die Plansequenz mit dem Beginn des Land Rush, bei der zwar sicherlich getrickst wurde, was die Anzahl der eingesetzten Planwagen und Statisten angeht, sie wirkt aber nichtsdestotrotz noch immer beeindruckend. Sehr dicht inszeniert wurde auch eine Lynchszene bei Nacht, während das emotionale und kompositorische Highlight in meinen Augen die Beerdigung von Yanceys Freund ist, die auch schon relativ früh im Film gezeigt wird.

Am Ende ist es dann irgendwie bezeichnend, dass man Anthony Mann vor Vollendung des Filmes gefeuert hat aber selbst wenn er bis zum Schluss dabei geblieben wäre, viel hätte man hier sicherlich nicht mehr Umbiegen können. Das Schlimme ist ja, dass der Film nicht einmal richtig schlecht ist, sondern irgendwo im Mittelmaß daher vegetiert und einfach weder Fisch noch Fleisch ist. In Deutschland ist der Film dann auch gar nicht auf einem digitalen Medium erhältlich, läuft aber in schöner Regelmäßigkeit bei den Öffentlichen im Nachtprogramm, wenngleich scheinbar alle europäischen Fassungen ein wenig an Handlung gekürzt wurden. Ungeschnitten und in nahezu voller technischer Pracht wurde er in den USA von Warner auf DVD veröffentlicht.

The Story Of A Man, A Land and A Love!

Originaltitel: Cimarron; Deutscher Titel: Cimarron ; Produktionsjahr: 1960; Produktionsland: USA; US-Kinostart: 01.12.1960; Deut.-Kinostart: 24.03.1961; Regisseur: Anthony Mann ; Cast: Glenn Ford, Maria Schell, Anne Baxter; Veröffentlichungen: USA (Warner DVD), europäische DVDs (z.B. Frankreich wohl alle geschnitten)

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3 Kommentare leave one →
  1. September 12, 2012 5:37 am

    Gut Ding will Weile haben, hm? Immerhin nach knapp einem Jahr endlich Neues von der Front. Auch wenn der Film, den ich glaube ich noch nicht gesehen habe, wohl eher nicht auf die Wunschliste kommt: Welcome Back. 😉

    • September 12, 2012 7:11 pm

      Ich glaube, der Film kommt in dem Text auch etwas schlechter weg, als er wirklich ist. Was die Bloggingabstinenz angeht, schweige ich und gelobe zukünftige Kontinuität. 🙂

  2. September 15, 2012 12:16 am

    Bedeutet dies Rückkehr? Gerade jetzt, wo ich viel Freude im Leben benötige? Du wirst natürlich augenblicklich wieder in die offizielle Blogroll von „Whoknows Presents“ aufgenommen. Bleib uns treu! 🙂

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