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Einsam sind die Tapferen (1962)

März 28, 2013

Einsam sind die TapferenWenn Kirk Douglas gefragt wird, einen Lieblingsfilm aus seiner beachtlichen Filmographie auszuwählen, dann nennt er nicht solche Werke wie Spartacus, Wege zum Ruhm oder Stadt der Illusionen, sondern den nahezu vergessenen Einsam sind die Tapferen, der  1962 unter der Regie von David Miller (Mitternachtsspitzen, Captain Newman) entstanden ist und vollkommen zu Unrecht ein gewisses Schattendasein fristet.  Vielmehr handelt es sich hier um einen in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Film, einen Western, der durchaus eine Brücke zwischen dem klassischen Kino der Studioära und der bedeutenden New Hollywood-Bewegung schlägt.

Der Film beginnt mit einer genretypischen Eröffnungssequenz: Die Kamera fährt über die Weite der amerikanischen Prärie und schwenkt dann auf den im Gras liegenden Kirk Douglas, der seinen Cowboyhut stilecht tief ins Gesicht gezogen hat. Doch etwas stimmt hier nicht. Wir schreiben das Jahr 1962 und obwohl der Film in feinstem Scope gedreht wurde, erstrahlt er in knackigem Schwarzweiß und auch der Score von Jerry Goldsmith ist gar westernuntypisch, eher zurückhaltend, ja melancholisch und dann wird die Idylle des Westens auch noch von einem tosenden Geräusch unterbrochen, die Kamera blickt zum Himmel und über Douglas‘ Kopf ziehen Düsenjäger ihre Bahnen.

Einsam sind die Tapferen 2Die Zeit der Cowboys und des Westerns ist wahrlich vorbei und so wirkt Jack Burns (Kirk Douglas), der Held dieser Geschichte, wie ein Anachronismus, wenn er mit seinem Pferd Whisky durch die Prärie New Mexicos streift und sich mit einfachen Landarbeiten über dem Wasser hält. Er ist ein Relikt einer vergangenen Zeit, das die Annehmlichkeiten der Moderne nicht benötigt. Doch auch Burns merkt, dass sich die Zeiten geändert haben. Wo einst weites Land vor ihm lag, ist es nun von Highways und Zäunen mit der Aufschrift „Betreten verboten“ durchzogen. Doch Burns lässt sich nicht einsperren und so eilt er auch seinem Freund Paul zur Hilfe, als dieser zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt wird, da dieser illegalen mexikanischen Einwanderern geholfen hat. Dieser denkt jedoch nicht daran, mit Jack aus dem Gefängnis auszubrechen, warten doch Frau (Jerry – Gena Rowlands) und Kind auf ihn. So macht sich dieser allein zu Pferd auf den Weg nach Mexiko. Zwischen Jack und seinem Ziel liegen nur noch ein Bergmassiv und der örtliche Sheriff Morey Johnson (Walter Matthau), der dem Cowboy mit allerlei technischem Gerät nachstellt.

Wie so viele andere Genrebeiträge aus dieser Zeit, ist Einsam sind die Tapferen ein Abgesang auf den Western, auf eine Epoche der Romantik aber auch der Naivität, die von den Restriktionen und der Hektik, Schnelllebigkeit  und auch der anscheinenden Sinnlosigkeit der modernen Gesellschaft verdrängt worden ist. Dies wird vor allem durch eine Parallelmontage gezeigt, in der ein LKW-Fahrer eine Ladung Toiletten unter Termindruck von Missouri nach New Mexico transportieren muss, die immer wieder eingestreut wird. Weiß man anfangs eigentlich gar nichts mit diesen anscheinend nicht zur Geschichte passenden Versatzstücken anzufangen, so wird einem im Verlauf des Films klar, dass sich die Wege von Burns und dem LKW-Fahrer kreuzen müssen.

Einsam sind die Tapferen - Walter MatthauDoch was nützt die beste Metageschichte, wenn der Rest an eingeschlafene Füße erinnert? Zum Glück ist dem hier nicht der Fall, was nicht nur an der feinen Abenteuergeschichte liegt, die mit einem schönen „alpinen“ Finale endet, sondern auch an den Schauspielern. Allen voran ist natürlich Kirk Douglas zu nennen, der uns den sympathischen Jack Burns sehr facettenreich präsentiert und vor allem mit seinem Filmpferd Whisky diverse äußerst gelungene Szenen zu bieten hat, die zum Lachen aber auch zum Weinen sind. Darüber hinaus wartet der Film auch mit einer sehr präsenten Gena Rowlands auf, die uns später in unzähligen John Cassavetes-Filmen zu Hochform auflaufen wird und hier in einer eher kleinen Rolle auf sich aufmerksam macht. Zu guter Letzt muss auch Walter Matthau erwähnt werden, der sozusagen Kirk Douglas‘ Gegenspieler mimt, den örtlichen Sheriff, der trotz großer Intelligenz und Begabung scheinbar in der Provinz gefangen zu sein scheint und einen sehr amüsanten Humor entwickelt hat, um mit der Situation fertigzuwerden.

Man könnte übrigens auch noch ein Wort über den Drehbuchautor Dalton Trumbo, der als Mitglied der Hollywood Ten nach 1948 eine Haftstrafe verbüßen musste und ein Arbeitsverbot erhielt, das erst durch die Intervention von unter anderem Kirk Douglas in den 60ern aufgehoben wurde und sich durchaus autobiographische Züge in der Person des Paul aus diesem Film finden lassen, verlieren aber das wäre zu viel des Guten.

Es ist an der Zeit, diesen Film wiederzuentdecken, bietet er doch so viele inhaltliche Facetten und wartet mit grandiosen Schauspielern, einem tollen Score und einer wunderschönen Kameraarbeit von Philip H. Lathrop. Genug der Worte, lassen wir den Film sprechen.

Jack, I’m going to tell you something. The world that you and Paul live in doesn’t exist. Maybe it never did… out there in the real world. And it’s got real borders and real fences, real laws and real trouble. And you either go by the rules or you lose. You lose everything.

Titel - Einsam sind die Tapferen
Originaltitel: Lonely Are the Brave; Deutscher Titel: Einsam sind die Tapferen ; Produktionsjahr: 1962; Produktionsland: USA; US-Kinostart: 24.05.1962; Deut.-Kinostart: 26.10.1962; Regisseur: David Miller ; Cast: Kirk Douglas, Walter Matthau, Gena Rowlands; Veröffentlichungen: DE (DVD/Blu-ray-Kombo Koch Media), USA (Universal – DVD)

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