Skip to content

Der Untergang von Pompeji (1935)

Juni 16, 2013

Pompeji_header
Große Tragödien bilden schon seit jeher die Kulisse unzähliger Spielfilme und so ist es nicht verwunderlich, dass der Ausbruch des Vesuvs 79 n. Chr. und der damit einhergehende Untergang der Stadt Pompeji schon unzählige Male in filmischer Form behandelt worden sind, unter anderem in Werken, die aus den Kindertagen des Mediums stammen. 1935 widmeten sich Ernest B. Schoedsack und Merian C. Cooper, die Väter von King Kong, diesem Thema und filmten für RKO Der Untergang von Pompeji (The Last Days of Pompeii), der jedoch nicht, wie vielleicht der Originaltitel vermuten lässt, auf dem berühmten gleichnamigen Romans Edward George Bulwer-Lyttons beruht.

Der Schmied Marcus (Preston Foster) lebt zusammen mit Frau und Kind ein einfaches aber glückliches Leben in Pompeji. Dieses ändert sich aber schlagartig, als Frau und Kind bei einem Unfall schwer verletzt werden. Da Marcus schon bald kein Geld mehr hat, um für die ärztliche Versorgung, geschweige denn für die Steuern, aufzukommen, fasst er den Entschluss, als Gladiator in der Arena Pompejis zu kämpfen, obwohl er sich davor immer gesträubt hat. Obwohl er seinen Kampf gewinnt, ist es jedoch zu spät. Daraufhin schwört er sich, nie wieder arm zu sein, um nicht noch einmal in solch eine Situation zu gelangen und wird fortan einer der gefeierten Gladiatoren der Stadt. Nach einem Kampf adoptiert er sogar Flavius, den Sohn eines tödlich verletzten Kontrahenten und nun scheint die Welt wieder im Gleichgewicht zu sein, doch Marcus‘ Tage als Gladiator sind gezählt und nach einer schmachvollen Niederlage verdient er sich daraufhin als Söldner und arbeitet unter anderem für einen Sklavenhändler. Auf einem seiner Streifzüge geraten Marcus und sein Adoptivsohn Flavius auch nach Judäa, wo sie eine für ihre Zukunft folgenschwere Begegnung haben werden…

Pompe2Während der Untergang Pompejis im Gegensatz zum etwas irreführenden deutschen Titel in dieser Geschichte eine untergeordnete Rolle einnimmt, verfolgt das Publikum fast die komplette Lebensgeschichte Marcus‘, der aufgrund eines schweren Schicksalsschlages vom „rechten Weg“ abkommt und, so viel darf verraten werden, zum Ende natürlich geläutert ist. Was man anfangs nicht wirklich erahnen kann ist, dass der Film ab ungefähr der Hälfte einen sehr christlichen Schlenker einlegt, der darin kulminiert, dass der junge Flavius als Kind in Judäa auf Christus persönlich trifft, kurz bevor dieser gekreuzigt wird und von diesem von einer schweren Krankheit geheilt wird. Die Konsequenz daraus ist, dass Flavius als junger Mann von dieser Begegnung so schwer beeindruckt ist, dass er von nun an den christlichen Idealen folgt und das Handeln seines Vaters, der im letzten Drittel des Films Leiter der Arena Pompejis geworden ist, deshalb sabotiert und immer wieder Sklaven zur Flucht verhilft, was vom Vater natürlich nicht unbemerkt bleiben wird.

Sieht man einmal von faktischen Fehlern ab, dass zeitliche Zusammenhänge hier vorne und hinten nicht stimmen können: Flavius ist zum Beispiel viel zu jung als Pompeji am Ende untergeht, als dass er Christus hätte treffen können, ist es der christliche Unterbau, mit dem man umgehen muss, um Flavius Motivation und Handeln nachvollziehen zu können und mir fällt das dann doch etwas schwer. Nach meinem Dafürhalten hätte man den Verhaltenswechsel Flavius auch „eleganter“ begründen können, ohne diesen zutiefst religiösen Tenor. Abseits dieses etwas kontroversen Einschlags, ist die Lebensgeschichte Marcus‘ ganz passabel inszeniert, wobei es ein wenig an der Identifikation mit der Figur mangelt, die als tragischer Held nicht so recht das Publikum an sich binden kann.Pompe3

Letzteres ist sicherlich nicht nur dem Drehbuch anzukreiden, sonder auch Preston Foster zuzuschreiben, der kein wirkliches Charisma versprühen kann und den meisten, wenn überhaupt, als Nebendarsteller aus unzähligen Produktionen dieser Zeit bekannt ist. Als bekanntes Gesicht taucht indes Basil Rathbone in der Person des Pontius Pilatus auf, der einige Jahre später zum ersten Mal in seiner sicherlich bekanntesten Rolle als Sherlock Holmes zu sehen sein wird.

Zumindest hinsichtlich der technischen Umsetzung hat mich sich nicht lumpen lassen und ein sehr atmosphärisches Pompeji erschaffen, das am Ende des Films dann auch nach Herzenslust vom Vesuv zerstört wird. Auch die Kampfszenen in der Arena wissen zu gefallen und so kann man dem Film immerhin bezüglich der technischen Seite grünes Licht geben.

Was ist nun als Resümee zu ziehen? Technisch gut umgesetzter Film mit Schwächen bei den Schauspielern und einer weniger fesselnden Geschichte, die zu viel auf einmal möchte und zu stark in religiösen Gefilden fischt. Wer Interesse am Genre hat und sich von dem Einschlag nicht abschrecken lässt, darf ruhig ein Auge riskieren, die restlichen Leser fahren vielleicht besser mit dem österlichen Fernsehprogramm oder lassen ganz die Finger davon.

Money is all that matters. Well, I can get money! It’s easy to get money! All you have to do… is kill.

Pompeji_title

Originaltitel: The Last Days of Pompeii; Deutscher Titel: Der Untergang von Pompeji; Produktionsjahr: 1935; Produktionsland: USA; US-Kinostart: 18.10.1935; Deut.-Kinostart: 31.01.1950; Regisseur: Ernest B. Schoedsack, Merian C. Cooper ; Cast: Preston Foster, Basil Rathbone, Louis Calhern; Veröffentlichungen: DE (ohne), UK (Odeon – DVD), US (Warner – DVD)

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: