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The Terror – Schloss des Schreckens (1963)

Dezember 1, 2013

Terror_KarloffRoger Corman ist eine faszinierende Institution des amerikanischen Kinos. Als Regisseur und Produzent zeichnet er sich für hunderte Filme verantwortlich, deren Spektren alle Qualitätsregionen abdecken. Zugleich verhalf er unzähligen heutigen Größen in der Branche Fuß zu fassen, wie zum Beispiel Francis Ford Coppola (Der Pate, Apocalypse Now) oder Jack Nicholson (Chinatown, Einer flog über das Kuckucksnest), die, wie es der Zufall will, auch an The Terror – Schloss des Schreckens beteiligt waren, einem Film, dessen Entstehungsgeschichte fast interessanter ist als der Rest.

André (Jack Nicholson) ist ein Offizier der napoleonischen Armee, der an der baltischen Küste von seinem Regiment getrennt wird und auf der Suche nach einem Rückweg und nach Trinkwasser auf die attraktive Helene (Sandra Knight) trifft, in die er sich auch prompt verliebt. Helene verschwindet jedoch scheinbar spurlos in der tobenden See und André wird bei dem Versuch ihr zu folgen von einem Vogel attackiert und bricht zusammen. Er wacht in einer Waldhütte einer älteren Frau auf, die ihm einreden will, dass es Helene nicht gebe und sie nur Teil seiner Einbildung sei. Davon lässt sich André aber nicht beirren und macht sich auf die Suche nach der Frau, die ihn auch prompt zu einem alten Schloss lotst, welches von Baron von Leppe (Boris Karloff) und seinem Diener Stefan (Dick Miller) bewohnt wird. Hier erfährt er schließlich, dass die Frau, die er zu sehen geglaubt hat, die vor zwanzig Jahren verstorbene Ilsa Baroness von Leppe ist. Doch sie scheint quicklebendig zu sein und begegnet André auch in den folgenden Tagen, die er auf dem Schloss verbringt. Er beschließt, der Sache nachzugehen und fördert dabei nicht nur dunkle Geheimnisse sondern auch schier Unbegreifliches zu Tage…

Terror_JackWo beginnt man am besten? Die Geschichte ist, um es mal vorsichtig zu formulieren, wirr. Das Ganze startet zwar wie eine klassische Gruselgeschichte aus dem Poe’schen Universum, vergaloppiert sich jedoch irgendwann in einer Geschwulst von Storybröckchen aus Hexerei, Geistern, Rache, Schuldgefühlen und Liebe, um mit einer wahrlich haarsträubenden Auflösung das Gezeigte abzurunden. Obwohl nicht einmal 80 Minuten lang, hat man schnell den Eindruck, dass mit Vorliebe auf Füllmaterial in Form von brandenden Wellen zurückgegriffen wurde und auch die Außenaufnahmen sehen teilweise arg zusammengewürfelt aus, so dass sich recht schnell der Eindruck eines gewissen Dilettantismus einstellt.

Andererseits sollte man sich durchaus die Entstehungsgeschichte dieses Werks einmal vor Augen führen und schon sieht man The Terror, wie er im Original schlicht heißt, in einem anderen Licht – wenn auch nur in einem mäßig besseren. Der Film ist ein Abfallprodukt. Im gleichen Jahr drehte Corman nämlich den Film Der Rabe – Duell der Zauberer (The Raven), unter anderem mit Boris Karloff und Jack Nicholson. Geschäftsmännisch wie Corman war, entschied er sich flugs, das für The Raven erbaute Set nicht ungenutzt zu lassen und ließ sich für einen schmalen Taler ein Drehbuch von Leo Gordon und Jack Hill schreiben, engagierte kurzerhand erneut Karloff und Nicholson und begann zu drehen. Die Szenen mit Karloff sollen in nur vier Tagen im Kasten gewesen sein, während sich bei der Second Unit Coppola, Monte Hellman(Das Schießen, Asphaltrennen), Jack Hill (Coffy, Foxy Brown) und Nicholson selbst die Regieklinke in die Hand gaben und fast neun Monate am Werkeln waren. Insofern ist es dann auch keine Überraschung, dass die Story dünn und absurd wie ein Löschpapier daherkommt und der Film in seiner Darstellung holprig und hingeschludert wirkt.Terror_Bloody

Insofern ist es da schon eher ein kleines Wunder, dass der Film an Ende dann doch kein Totalausfall ist, wird doch trotzdem eine ganz interessante Atmosphäre erzeugt, die wie ein unheimlicher Schleier über dem Film liegt und auch das Spiel Karloffs – sichtlich gealtert aber trotzdem die Leinwand noch immer einnehmend – und Nicholsons ist ganz vergnüglich, wenngleich beide meilenweit von ihren jeweiligen Sternstunden entfernt chargieren.

Der gemeine Zuschauer wird wahrscheinlich kopfschüttelnd aus dem Film herausgehen, während der interessierte Genrefan durchaus einen Blick riskieren kann. Letzterer wird aber auch nicht aus den Socken gehauen und ich werde mir diesen Film sicherlich auch nicht noch ein zweites Mal anschauen. Übrigens noch zwei weitere Randnotizen: The Terror selbst wurde übrigens in großen Stücken recycelt, nämlich in Peter Bogdanovichs Bewegliche Ziele (1968) und, um dem Film noch die Krone aufzusetzen und eine Version zu kreieren, die nicht mehr public domain ist, wurden anfangs der 1990er noch rasch zehn Minuten Extra-Footage für The Terror mit Dick Miller gedreht, die die  Abstrusität des Films wohl noch einmal um ein Vielfaches steigern. Wem also die normale Kinoversion zu ordinär ist, sollte sich auf die Suche nach diesem „Extended Cut“ machen.

The crypt! It must be destroyed, and with it the dead. – Don’t speak of the dead anymore. You’re with me now. – I am possessed of the dead. – You’re a warm living woman. Who has told you these things? – The dead.

Terror_Titel
Originaltitel: The Terror; Deutscher Titel: The Terror – Schloss des Schreckens; Produktionsjahr: 1963; Produktionsland: USA; US-Kinostart: 17.01.1963; Deut.-Kinostart: 1981 ; Regisseur: Roger Corman, Francis Ford Coppola, Monte Hellman, Jack Hill, Jack Nicholson; Cast: Boris Karloff, Jack Nicholson, Sandra Knight; Veröffentlichungen: DE (div. – BD, DVD) , US (div. – BD, DVD)

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