Skip to content

Tänzer vom Broadway (1949)

Dezember 26, 2013

Barkleys of Broadway_headerSie gehören heutzutage zu einer seltenen Spezies und treten, wenn überhaupt, nur vereinzelt alle drei bis vier Jahre – dann aber auch oft hochkarätig besetzt – zur sogenannten Award-Season auf, um den ganz großen Wurf zu landen. Die Rede ist natürlich von Musicals, einem dahinsiechendem Genre, das einzig durch jene genannten lebenserhaltenen Maßnahmen vor dem Aussterben geschützt wird. Vor gut 70 Jahren sah die Filmwelt da noch ganz anders aus. Mit dem Aufkommen des Tonfilms und bis hinein in die 60iger Jahre gehörten Musicals zum festen Repertoire aller Hollywoodstudios und die Hauptdarsteller gehörten zu den größten Stars ihrer jeweiligen Epoche. Speziell in den 30igern war das Duo Fred Astaire und Ginger Rogers extrem erfolgreich und produktiv und lieferte zahlreiche Hits ab. Insgesamt spielten und tanzten sie zehnmal gemeinsam auf der Leinwand wobei jener Tänzer vom Broadway (The Barkleys of Broadway, 1949), um den es im Nachfolgenden gehen wird, etwas Besonderes ist.

Dinah (Ginger Rogers) und Josh (Fred Astaire) Barkley stehen seit Jahren als gefeiertes Musical-Paar auf der Bühne. Auch wenn man sich abseits des Rampenlichts durchaus zankt, was vor allem an Joshs Perfektionismus liegt, der die Shows der Beiden auf die Beine stellt, so führen sie doch eine harmonische Ehe. Nach der Eröffnung ihrer neusten Revue ‚The Barkleys of Broadway‘ treffen sie auf einer Party auf den Franzosen Jacques Pierre Barredout (Jacques François), einen aufstrebenden Theaterregisseur, der der Überzeugung ist, Dinah würde ihr Talent bei diesen lächerlichen Tanzauftritten nur vergeuden und deshalb bietet er ihr die Hauptrolle in seinem neusten Stück an. Josh ist natürlich wenig begeistert und als Dinah sich nach einem gemeinsamen Ausflug aufs Land dann sogar für das Rollenangebot entscheidet, droht nicht nur die berufliche Zukunft der Beiden auseinanderzubrechen. Doch Josh kämpft um seine Frau und hilft ihr sogar heimlich, sich auf dem neuen Terrain zurechtzufinden…

THE_BARKLEYS_OF_BROADWAY-1Wie eingangs schon erwähnt, nimmt Tänzer vom Broadway eine kleine Sonderstellung in der gemeinsamen Filmografie Astaires und Rogers‘ ein. Es ist nicht nur ihr letzter gemeinsamer Film, sondern auch der erste Film der Beiden seit gut zehn Jahren (The Story of Vernon and Irene Castle). Auch wurde er nicht von RKO produziert, sondern von MGM und ist darüber hinaus auch der einzige Farbfilm des Duos. Ursprünglich war auch gar nicht geplant, Ginger Rogers die Rolle von Dinah spielen zu lassen. Vielmehr hätte Judy Garland diesen Part übernehmen sollen, anknüpfend an den Erfolg, den Astaire und Garland mit dem im Jahr zuvor erschienenen Osterspaziergang (Easter Parade) hatten. Aufgrund ihrer Drogenprobleme stand Garland jedoch gar nicht erst zur Verfügung und Rogers sprang ein.

Geschadet hat es dem Film nicht – ganz im Gegenteil. Von Beginn an spürt man, dass zwischen Astaire und Rogers die Chemie vor der Kamera einfach stimmt und man folgt gutgelaunt der Geschichte, die laut einiger Quellen durchaus Parallelen zur beruflichen Beziehung der Beiden aufweisen soll. Garniert von zahlreichen tollen Gesangs- und Tanznummern aus der Feder Ira Gershwins und Harry Warrens – ein Highlight ist sicherlich die gemeinsame Tanznummer zu ‚They Can’t Take That Away from Me‘, einem Song, den Astaire Rogers in Swing Time (1936) vorgetragen hat, zu dem sie dort aber nicht tanzten – entfaltet sich zwar eine augenscheinlich recht ordinäre Beziehungskomödie, die aber dank eines adäquaten Drehbuchs flott inszeniert und mit einigen feinen Ideen verziert wurde. Als mein Highlight sei hier jene Szene in der Galerie zu nennen, wo das Bild von Dinah und Josh enthüllt wird.

Barkleys of BroadwayNatürlich ist auch nicht alles Gold, was glänzt und so kämpft der Film mit genretypischen Limitationen. Einige Einlagen ziehen sich bei Laufzeiten jenseits der fünf Minuten schon etwas, die Pianonummern Oscar Levents klingen zwar schön, wirken aber etwas deplatziert. Ähnlich verhält es sich mit dem Soloauftritt Astaires zu ‚Shoes with Wings On‘, der zwar choreographisch echt bravourös umgesetzt wurde aber nicht so ganz ins Gesamtbild passen möchte. Ein Fehltritt sondergleichen, der den Gesamtspaß nicht trübt aber vor allem im Originalton unfreiwillig komisch und zuweilen einfach nur schräg wirkt, ist jene Szene kurz vor Ende des Films, in der Rogers die Marseillaise auf Französisch rezitiert und es mehr nach einem wirren Kauderwelsch klingt. Das hätte man sich sparen oder zumindest nachsynchronisieren können.

Viel zu mäkeln gibt es am Ende dann nicht. Für Genrefans ist Tänzer vom Broadway sicherlich ein Muss, allein ob der letzten gemeinsamen Arbeit von Astaire und Rogers und Leute mit Musicalallergie werden wohlwissentlich sowieso einen großen Bogen machen. Am wichtigsten dürfte insofern sein, dass auch der interessierte Allesgucker gerne einen Blick riskieren kann und sollte. Selbst wenn einige Musiknummern eine Spur lang geraten sind, so wird man doch durch das tolle Darstellerduo vollends entschädigt.

I hope you will admire my crude efforts. – I’m sorry to be so stupid but why am I a pancake? – As I see you, you are creative union. You, creative frying pan in which the shapeless, raw batter, you are transformed by creative miracle into irresistible pancake.

THE_BARKLEYS_OF_BROADWAY-Titel

Originaltitel: The Barkleys of Broadway; Deutscher Titel: Tänzer vom Broadway; Produktionsjahr: 1949; Produktionsland: USA; US-Kinostart: 04.05.1949; Deut.-Kinostart: 29.12.1950 ; Regisseur: Charles Walters; Cast: Fred Astaire, Ginger Rogers, Oscar Levent, Jacques François; Veröffentlichungen: DE (Warner – DVD) , US (Warner – DVD)

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: